Der Bad Wolf Dirt Run 2016

Ein halbes Jahr Training und gute 200 Trainingskilometer haben sich doch ausgezahlt. Am letzten Samstag habe ich mit dem Bad Wolf Dirt Run im Knüllwald bei Kassel meinen ersten Hindernislauf über 9km erfolgreich überlebt beendet. Und was soll ich sagen: Es war super anstrengend, trotzdem hat es echt verdammt viel Spaß gemacht!

Bereits der Weg vom Parkplatz zum Bad Wolf Offroadpark war zur Einstimmung mit amüsanten Motivationssprüchen gesäumt.

Am Ort des Geschehens angekommen, verschafften wir uns erstmal einen Überblick. Dabei half der kleine Infostand am Eingang des Geländes. Mein Mitläufer und ich brachten zunächst unsere Rucksäcke in der „Garderobe“ unter. Dort erhielt man unter Vorlage der Startnummer einen Plastiksack, in dem man sein Hab und Gut unterbringen und an einem Hakengestell verstauen konnte. Ich muss schon sagen, das war gut organisiert. Zu diesem Areal hatten auch nur die Läufer Zugang und der Sack wurde mit der eigenen Startnummer gekennzeichnet, so dass man diesen auch nur unter erneuter Vorlage der Startnummer ausgehändigt bekam.

Um 13.30 Uhr gab es eine kleine Vorbesprechung, bei der die Läufer kurz auf einige Sicherheitsregeln hingewiesen wurden. Darunter auch die Anweisung, man solle die Schuhe gut zubinden, da man bereits am ersten Schlammloch seine Schuhe verlieren könne. Sehr ermutigend! Danach ging es weiter mit einer gemeinsamen Aufwärmphase, bei der eine Art Drill-Instruktor oder Leitwolf einige Übungen zum Besten gab und der Rest des Rudels diese nachmachen sollte. Leider stand ich ziemlich weit hinten, so dass ich akustisch nicht viel mitbekommen habe. Also versuchte ich, die Übungen soweit möglich einfach irgendwie nachzuahmen. Bei einer Temperatur von 29°C Grad wurde man in der prallen Sonne aber auch so recht schnell warm.

Nach dem Aufwärmen sammelte sich der erste Startblock (zu dem auch wir gehörten) direkt vor dem Start. Was für ein Gedränge. Aber das ist vermutlich bei jedem größeren Lauf so.

Dann der Startschuss. Nach wenigen Metern kam die erste Steigung und danach ein paar fette Steinbrocken, über die man „klettern“ musste. Easy. Doch bereits einige Meter weiter stoppte der Läuferblock: vor uns das erste Gefälle. Und was für eins! Auf einer Sandpiste ging es steil bergab. Jeder versuchte heile da runter zu kommen, ohne andere Läufer mitzureißen. Das klappte aber erstaunlich gut. Von ein bis zwei größeren Matschlöchern abgesehen, ging es auf dem ersten Kilometer so weiter. Meine Atemwege waren durch den aufgewirbelten Staub der Sandpisten jetzt schon total trocken. Das ging ja gut los. Glücklicherweise hatten die Organisatoren mitgedacht und direkt nach der Staubparty einen zusätzlichen Verpflegungsstand aufgebaut, an dem es Wasser zum Trinken gab. Nach einem weiteren guten Kilometer durch die Geröllhalden des ehemaligen Tagebaugeländes, erreichten wir den Wald.

Der Wald war der übelste Teil der Strecke: Steigung, Gefälle, Steigung, Gefälle und so weiter. Ich wechselte recht schnell von einem lockeren Laufschritt zu einem flotten Gehen. Allerdings ging es nicht nur mir so, sondern auch dem Großteil der restlichen Läufer um mich herum. Und so glich die Waldstrecke eher einem Wandertrack, auf dem sich Teilnehmer um Teilnehmer keuchend den Berg hochschob. Hier geriet ich das erste Mal an meine Grenzen. Einige kurze Streckenabschnitte taumelte ich eher, als das ich einen festen Schritt an den Tag legte. Meinen Intervalltrainings sei Dank, wusste ich mich auf den kurzen Wegstrecken ohne Steigung aber konditionell wieder recht schnell zu fangen.

Dann ging es aus dem Wald raus. Doch so einfach ließ uns der „geheimnisvolle Wald“ nicht gehen. Eine wahre Wand aus Matsch wollte zuvor erzwungen werden. Glücklicherweise gab es hier Kletterseile, an denen man sich festhalten bzw. hochziehen konnte. Was für ein abgefahrenes natürliches Hindernis! Oben angekommen fand man sich auf dem „Hochplateau“ des Tagebaus wieder. Yeah! Endlich geschafft. Der Wald lag hinter uns.

Ich atmete auf, nur um nach ein paar Metern festzustellen, dass es fast ebenso steil, wie es gerade zuvor hochging, wieder in den Wald hinab ging. Nach dieser Erkenntnis dürfte sich auf meinem Gesicht wohl ein Ausdruck der Verzweiflung breit gemacht haben. Aber gut, ich hatte schließlich keinen Ausflug auf den Ponyhof gebucht. Also Augen zu, Arschbacken zusammen und wieder rein in den verdammten Wald. Das letzte Waldstück war aber vergleichsweise harmlos und so spuckte mich der Wald kurze Zeit später erneut aus. Fünf Kilometer waren geschafft. Die nächste Verpflegungsstation wartete. Dort wurde ich von einem der Helfer freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass ich doch noch recht sauber sei. Ich blickte an mir herab und musste feststellen, dass er recht hatte. Während viele andere Läufer sicherlich von jedem Hausschwein, das etwas auf sich hält, ein anerkennendes Nicken erhalten hätten, erfreute sich vor allem mein Oberteil noch einer gewissen Jungfräulichkeit, was die Schlammmassen betraf. Ich versprach dem Helfer, dass sich das sicher noch ändern würde. Und ich sollte recht behalten.

Die nächsten beiden Kilometer verliefen mehr oder minder auf einer geraden Ebene und waren mit einigen Krabbel- bzw. Kriechhindernissen gespickt. Darunter auch der Panzer, unter dem man drunter durch robben musste. Bald darauf folgte DAS Hindernis schlechthin. Bisher waren die Hindernisse auf diesem Lauf bestenfalls „nett“. Doch das folgende Matschloch, von mir liebevoll der „Sumpf“ genannt, stellte alles andere in den Schatten. Es handelte sich dabei um ein Bodenvertiefung, die geschätzt einen Meter tief war, gefüllt mit einer zähen Lehmpampe. So dermaßen zäh, dass ungefähr jeder zweite bis dritte Läufer darin stecken blieb. Auch ich hatte das Glück, bis zur Hüfte in dieser Pampe zu versinken. Da es am Rand nicht viel gab, an dem man sich festhalten konnte (bis auf ein paar Brennesseln *seuftz*), musste man sich hier von anderen Läufern, die es irgendwie auf die andere Seite geschafft hatten, rausziehen lassen. Als ob das nicht schon kräftezehrend genug gewesen wäre, klebte von nun an eine hartnäckige, nervige Lehmschicht an Hose, Oberteil, Armen, Händen… naja, quasi überall, außer im Gesicht. An Laufen war danach erstmal nicht mehr zu denken. Glücklicherweise folgte direkt nach diesem Hindernis eine weitere Verpflegungsstation inkl. einem kleinen Schwimmbecken, an dem man wenigstens seine Hände säubern und sich des gröbsten Drecks entledigen konnte.

Die letzten beiden Kilometer waren wieder gespickt mit Steigungen und Gefällen und somit war abermals gehen angesagt. Mehr ging bei mir eh nicht mehr, hier und da mal ein paar schnelle Schritte vielleicht. Allerdings warteten noch zwei weitere fiese Hindernisse auf uns. Da war zum einen „The Wolf of the Wall“. Erneut ein zirka ein Meter tiefes Loch, gefüllt mit Matschwasser, an dessen Ende eine rutschige Steigung überwunden werden musste. Dank Kletterseil war dieses Hindernis aber auch gut zu schaffen. Auf den letzten 500 Metern folgten zum anderen noch vier Absperrgitter – der Hürdenlauf. Hier war ich durchaus froh über meine Größe, konnte ich schließlich einfach über die Gitter drübersteigen. Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt schon so fertig, dass mir selbst dies nur mit Mühe gelang.

Kurz vor dem Ziel befand sich die „Teilnehmer-Waschstation“. Sehr durchdacht, das Ganze. Auf diese Weise blieb wenigtens der Großteil des Drecks an Ort und Stelle. Würden alle Teilnehmer den ganzen Dreck, den sie während des Laufs fleißig gesammelt hatten, mit nach Hause nehmen, wäre das Gelände immerhin spätestens in zehn Jahren komplett abgetragen.

Schließlich erreichte ich endlich die Ziellinie. Eine Helferin beglückwünschte mich und hing mir die Finishermedaille um den Hals. Ich nahm alles wie in Trance wahr. Ich war fertig mit der Welt und doch so glücklich, denn ich hatte es verdammt noch mal geschafft!

Fazit: Super cooler Lauf, der einem die persönlichen Grenzen aufzeigt, gleichzeitig aber auch richtig viel Spaß macht. Die Hindernisse stehen beim Bad Wolf Dirt Run eher im Hintergrund, denn das eigentliche Hindernis ist die Strecke selbst. Daher war ich auch sehr froh um meine Trailrun-Schuhe. Während andere Läufer auf vielen Streckenabschnitten wie auf Schmierseife herumrutschten, krallten sich meine Schuhe förmlich in den Untergrund. Selbst an den Steilhängen kam man sich vor wie Spider-Man. Nur das Saubermachen nach dem Lauf war echt ätzend. Viele Läufer schmeißen ihre Laufsachen ja weg. Ich hingegen stand geschätzte zwei Stunden im Bad und habe den Dreck erst aus der Kleidung, dann aus der Badewanne gewaschen. Da ich für den Lauf selbst nur 1 Stunde und 35 Minuten gebraucht habe, ist das ein nicht unerheblicher Aufwand, den man nicht außer Acht lassen sollte.

Doch dieser war es wert! Ich bin froh um diese tolle Erfahrung und bin mir sicher, dass dies nicht mein letzter Hindernislauf war… und wahrscheinlich auch nicht mein letzter im Knüllwald ;).

Nachfolgend eine kleine Bildauswahl und ein kurze Videozusammenfassung des Laufs.

In diesem Sinne…. Aaaaaaaaaaaaoooooouuuuuuuuuhhh!

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